Der Schnitt selbst erfolgt mit sauberem, scharfem Werkzeug. Ein glatter Schnitt direkt über einer nach außen zeigenden Knospe fördert eine offene Kronenform und beugt Pilzbefall vor. Gequetschte oder ausgefranste Wunden sind Eintrittspforten für Krankheiten. Nach dem Schnitt sollte nicht sofort stark gedüngt werden. Ein zu früher Düngeschub treibt weiches Gewebe aus, das bei einem späten Kälteeinbruch erfriert. Besser ist es, mit dem Düngen zwei bis drei Wochen zu warten, bis der Austrieb stabil ist.
Häufige Fehler sind das Abschneiden auf eine nach innen zeigende Knospe, das Stehenlassen von Konkurrenztrieben direkt unter der Schnittstelle und das Einkürzen mehrerer starker Äste im selben Jahr. Alle drei fördern den sogenannten Wasserreiser-Austrieb, der zwar viel Holz, aber kaum Blütenknospen bringt. Wer zu stark eingreift, verschiebt das Verhältnis zwischen vegetativem Wachstum und Fruchtansatz. Besser ist es, pro Jahr nur einen oder zwei Hauptäste zu kürzen und die übrigen unberührt zu lassen.
Nach dem Schnitt braucht die Pflanze Unterstützung. Eine Gabe Kompost oder gut verrotteter Laubhumus um die Basis herum stärkt den Austrieb, ohne die Wurzeln zu verbrennen. Gegossen wird regelmäßig, aber ohne Staunässe. Bleibt der Strauch trotz korrekten Schnitts blühfaul, liegt es meist an zu wenig Licht, an zu viel Stickstoff oder an Spätfrösten, die die jungen Knospen beschädigen. Ein geschützter Standort und ein wenig Geduld bringen mehr als jeder weitere Schnitt.
Warum Wasserschosser nicht immer entfernt werden sollten Wasserschosser dienen dem Baum als Reserveorgane. Sie können Wunden nach einem Schnitt schnell verschließen und so das Eindringen von Krankheitserregern verhindern. Außerdem produzieren sie viele Assimilate, die der Baum für den Aufbau von Früchten und Holz nutzen kann. Wer sie alle entfernt, nimmt dem Baum diese Chance. Besonders bei jungen Bäumen ist ein gewisser Anteil an Wasserschossern wichtig für die Entwicklung einer stabilen Krone.
Ein weiterer typischer Fehler ist, Wasserschosser mit Fruchtrieben zu verwechseln. Fruchttriebe sind kürzer, haben oft eine endständige Blütenknospe und wachsen weniger steil. Wer genau hinschaut, erkennt den Unterschied. Wer unsicher ist, kann Wasserschosser markieren und im nächsten Jahr beobachten, wie sie sich entwickeln. Oft zeigt sich dann, ob sie Blüten tragen oder weiterhin nur Blattmasse bilden.
Vor dem Schnitt lohnt ein Blick auf die gesamte Krone. Zwei oder drei gut verteilte Leitäste reichen aus, um den Ertrag zu tragen. Alles, was sich kreuzt, nach innen wächst oder flach am Stamm reibt, wird entfernt, nicht eingekürzt. Diese Äste bringen ohnehin wenig Frucht und behindern Licht und Luft. Nach dem Schnitt sollte die Krone so offen sein, dass Licht bis in den Innenbereich fällt. Nur dann bilden sich auch dort Blütenknospen, und der Ertrag verteilt sich über die ganze Pflanze statt nur an den Außenrändern.
Allerdings können Wasserschosser auch zum Problem werden, wenn sie ungehindert wachsen. Sie nehmen anderen Trieben Licht und Nährstoffe weg, wodurch die Fruchtqualität sinkt und die Krone wird. Zudem sind sie anfällig für Mehltau und andere Pilzkrankheiten, da sie dicht beieinander stehen und schlecht abtrocknen. Deshalb ist es wichtig, sie nicht einfach wachsen zu lassen, sondern gezielt zu lenken.
Ein eingekürzter Ast reagiert Pflanzen im Innenraum Folgejahr mit verstärktem Austrieb nahe der Schnittstelle. Diese Triebe werden im Sommer auf zwei bis drei Augen zurückgenommen, damit sie nicht wiederum lange, unverzweigte Fruchtäste bilden. Wer diesen Folgeschnitt unterlässt, steht nach zwei Jahren vor demselben Problem wie zuvor. Die stabile Fruchtaste entsteht also nicht durch einen einzigen Eingriff, sondern durch das jährliche Nachjustieren an derselben Stelle. So bleibt der Ertrag gleichmäßig, und die Krone altert langsamer.
Die richtige Behandlung von Wasserschossern erfordert Geduld und Beobachtung. Ein jährlicher Schnitt, der das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Fruchtbarkeit wahrt, ist wichtiger als radikales Entfernen. Wer die natürliche Reaktion des Baumes versteht, kann Wasserschosser gezielt einsetzen, um die Ernte zu verbessern und die Baumgesundheit zu fördern.
Wann der Schnitt den Ertrag stabil hält Eingekürzt wird vorzugsweise im Spätwinter, kurz vor dem Austrieb. Dann sind die Reservestoffe im Holz, und die Pflanze kann die Wunde im Frühjahr schnell überwallen. Ein Schnitt im Herbst oder tiefen Winter setzt die Stelle Frost aus und verzögert die Heilung. Bei stark wachsenden Sorten kann ein zweiter, leichter Korrekturschnitt im Sommer nach der Ernte nötig sein, um den Austrieb zu bremsen und die Knospenbildung für das Folgejahr zu fördern. Ein einziger, gut platzierter Schnitt ist jedoch wirksamer als mehrere kleine Eingriffe über die Saison verteilt.
Der entscheidende Schnitt setzt an einer Stelle an, an der ein kräftiger, gut ausgerichteter Seitentrieb vorhanden ist. Dieser Trieb übernimmt die Rolle der bisherigen Spitze. Geschnitten wird knapp über diesem Seitenholz, ohne den Ansatz zu verletzen. Der Durchmesser des verbleibenden Triebs sollte mindestens ein Drittel des abgeschnittenen Astes betragen. Ist er dünner, verkümmert er oft, und die Wunde heilt schlecht. Ein zu kurzer Stummel über dem Seitenholz fault leicht ein, ein zu langer Stummel trocknet zurück und bildet unerwünschte Austriebe.