Frische Hefe muss vor dem Kneten in lauwarmer Flüssigkeit aufgelöst werden. Die Flüssigkeit darf maximal 38 Grad warm sein, darüber sterben die Pilze ab. Ein Thermometer ist hier zuverlässiger als der Finger, denn handwarm empfindet jeder anders. Trockenhefe kann dagegen direkt unter das Mehl gemischt werden, sie löst sich beim Kneten auf. Wer sie dennoch in Flüssigkeit gibt, sollte sie nicht mit Zucker oder Salz pur bestreuen, sondern kurz quellen lassen. Ein weiterer Unterschied liegt im Geschmack: Frische Hefe bringt ein leichtes Hefearoma mit, Trockenhefe ist neutraler. Bei lang geführten Teigen spielt das kaum eine Rolle, bei schnellen Rezepten wie Pizza oder Hefezopf kann es den Charakter verändern.
Poolish und Biga sind Vorteige, die Hefe teilweise ersetzen und dem Brot ein tiefes Aroma geben. Poolish ist ein flüssiger Vorteig aus Mehl, Wasser und einer sehr kleinen Menge Hefe. Biga ist ein fester Vorteig mit weniger Wasser, ebenfalls mit minimaler Hefezugabe. Beide werden einige Stunden bis über Nacht stehen gelassen, damit sich Geschmacksstoffe bilden. Der Unterschied zum Sauerteig: Es entstehen keine Milchsäurebakterien, sondern vor allem Enzyme und Hefen, die den Teig reifer machen. Das Ergebnis ist ein Brot mit nussigem, leicht süßlichem Geschmack und besserer Kruste.
Am Morgen wird der Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche gegeben. Er ist kalt und fest, das ist normal. Nicht kneten, sondern vorsichtig zu einer Rolle schieben und in sechs Stücke teilen. Jedes Stück wird straff geschlagen und zu einer Kugel geformt. Die Kugeln kommen mit der Naht nach unten auf ein Blech mit Backpapier. Jetzt ist Geduld gefragt: Die Brötchen brauchen etwa 30 bis 45 Minuten bei Zimmertemperatur, bevor sie in den Ofen kommen. Wer sie eiskalt backt, bekommt einen festen, dichten Kern.
Manche greifen zu einem Sprühmechanismus, um Wasser direkt in den Ofen zu sprühen. Das funktioniert nur, wenn die Sprühflasche hitzebeständig ist und der Strahl nicht auf die Heizstäbe trifft. Zudem muss man alle paar Minuten nachsprühen, was den Ofen ständig öffnet und Wärme verliert. Effektiver ist die Methode mit einer heißen Wasserform. Wer dennoch sprüht, sollte den Ofen nicht öffnen, sondern eine Sprühflasche mit langem Hals durch einen Spalt nutzen. Doch Vorsicht: Zu viel Wasser auf dem Backblech kann den Teig aufweichen.
Der Teig braucht tatsächlich Geduld, aber nicht im Sinne von stundenlangem Kneten. Im Gegenteil: Kneten ist bei Ciabatta zweitrangig. Wichtiger sind Dehnen und Falten. Alle 30 bis 45 Minuten wird der Teig aus der Schüssel gehoben, in die Länge gezogen und übereinandergelegt. Das stärkt das Glutennetz, ohne die Gasblasen zu zerstören. Nach drei bis vier Runden sieht der Teig glatter aus, bleibt aber weich und klebrig. Wer ihn mit der Küchenmaschine zu lange laufen lässt, riskiert, dass die bereits gebildeten Poren wieder zusammenfallen. Der Teig wird dann zwar geschmeidig, aber die spätere Krume bleibt dicht.
Die Basis ist ein einfacher Hefeteig mit Mehl, Wasser, Salz, etwas Hefe und einem Schuss Öl oder Butter. Für sechs Brötchen reichen 500 Gramm Mehl, 320 Milliliter kaltes Wasser, zehn Gramm Salz, zwei Gramm Frischhefe und ein Esslöffel Fett. Die Hefe wird nicht in warmem Wasser aufgelöst, sondern direkt unter das Mehl gemischt. Kaltes Wasser ist wichtig, denn es bremst die Gärung. Wer den Teig mit warmem Wasser ansetzt, riskiert, dass er über Nacht zu stark aufgeht und einen säuerlichen Geschmack entwickelt.
Warum der Kühlschrank den Unterschied macht Bei etwa fünf Grad Celsius laufen die Gärprozesse langsam ab. Der Teig bekommt Zeit, Aromen zu bilden, und wird gleichzeitig nicht übermäßig sauer. Ein häufiger Fehler ist es, den Teig direkt nach dem Kneten in den Kühlschrank zu stellen. Besser ist es, ihn erst eine Stunde bei Zimmertemperatur gehen zu lassen und dann kalt zu stellen. So kommt die Gärung in Gang, wird aber rechtzeitig gebremst. Wer den Teig zu lange warm stehen lässt, bekommt einen weichen, klebrigen Teig, der sich kaum formen lässt.
Auch die Backtemperatur spielt eine Rolle. Ein zu heißer Ofen lässt die Kruste früh fest werden, während das Innere noch roh ist. Das Ergebnis ist eine dichte, feuchte Krume mit einem trockenen Rand. Bewährt hat sich, das Brot bei 250 Grad einzuschießen, nach zehn Minuten auf 200 Grad zu reduzieren und je nach Gewicht 45 bis 60 Minuten zu backen. Ein Brot von einem Kilo braucht länger als ein kleines Laibchen. Wer unsicher ist, klopft nach dem Backen auf den Boden: Klingt es hohl, ist die Restfeuchte gering genug. Klingt es dumpf, darf es noch zehn Minuten im ausgeschalteten Ofen nachziehen.
Wer die Brötchen noch knuspriger mag, stellt eine kleine Metallschale mit Wasser auf den Boden des Ofens. Der Dampf hält die Kruste elastisch, bis sie sich später zusammenzieht und splittert. Nach dem Backen kurz auf einem Gitter auskühlen lassen, nicht in ein Tuch wickeln, sonst wird die Kruste weich. Übrig gebliebene Brötchen lassen sich am nächsten Tag kurz aufbacken, aber frisch sind sie am besten. Der ganze Aufwand am Abend beträgt keine zehn Minuten, und am Morgen gibt es warme, knusprige Brötchen ohne Stress.