Für die Praxis gilt: Willst du einen Stoff beurteilen, schau zuerst auf die Bindung, dann auf die Faser, erst danach auf das Muster. Leinwandbindung für alles, was formstabil sein muss. Köper für alles, was strapazierfähig sein muss. Jacquard für alles, was optisch wirken soll. Ein weiterer typischer Fehler ist, die Webrichtung zu ignorieren. Kett- und Schussrichtung dehnen sich unterschiedlich. Wer den Stoff quer zur Kettrichtung zuschneidet, riskiert, dass das Kleidungsstück nach dem ersten Tragen ausbeult.
Beim Aufhängen kommt es auf die Reihenfolge an. Ziehen Sie den Stoff nicht straff um die Ecke, sondern lassen Sie ihm eine Handbreit Reserve. Verteilen Sie die Falten gleichmäßig, bevor Sie die Gardine ganz schließen. Wer den Stoff an der Ecke festklemmt oder mit einer Klammer fixiert, erzeugt dauerhafte Knicke, die auch nach dem Glätten sichtbar bleiben. Besser ist es, die Falten mit der Hand auszustreichen und erst dann die Ringe in die endgültige Position zu schieben.
Angenehm ist vor allem das Verhalten auf der Haut. Die dichte Bindung lässt kaum Fäden herausstehen, die kratzen könnten. Gleichzeitig bleibt genug Luft zwischen den einzelnen Fäden, damit Wärme und Feuchtigkeit entweichen. Ein Kissen aus Baumwolle in Leinwandbindung fühlt sich deshalb im Sommer kühl und im Winter nicht eiskalt an. Wichtig ist die Fadendichte: Bei zu lockerer Einstellung wird der Stoff schnell labberig, die Füllung drückt durch, und das Kissen verliert seine Form. Prüfen lässt sich das mit einem einfachen Griff – hält man den Stoff gegen das Licht, sollte er nur schwach durchscheinen.
Leinwandbindung ist die einfachste und stabilste Bindung. Kett- und Schussfaden kreuzen sich abwechselnd, jeder Faden liegt abwechselnd oben und unten. Das ergibt eine glatte, feste Oberfläche, die kaum verzieht. Typisch sind Popeline, Batist und einfache Baumwollstoffe. Praktisch heißt das: Leinwandbindung ist formstabil, knittert aber stärker als andere Bindungen. Für Hemden und Bettwäsche ideal, für fließende Kleider weniger. Ein häufiger Fehler ist, Leinwandbindung mit billiger Qualität gleichzusetzen. Die Dichte der Fäden entscheidet über die Qualität, nicht die Bindung allein. Halte den Stoff gegen das Licht: Ist er dicht gewebt, scheint kaum Licht durch.
Der Abstand entscheidet, ob das Muster trägt Der Abstand zwischen den Motiven ist wichtiger als das Motiv selbst. Liegen die Elemente zu eng, entsteht ein flimmernder Eindruck, besonders bei kontrastreichen Farben. Liegen sie zu weit, wirkt die Fläche leer und das Motiv verloren. Ein brauchbarer Arbeitswert: Der Abstand zwischen zwei Motiven sollte mindestens die Hälfte des Motivdurchmessers betragen. Bei sehr kleinen Dessins unter einem Zentimeter ist sogar der doppelte Abstand sinnvoll, weil die Wiederholung sonst als Rauschen gelesen wird. Wer unsicher ist, legt einen Stoffstreifen in Originalgröße auf den Boden und geht drei Schritte zurück. Was aus dieser Entfernung noch als Muster erkennbar ist, funktioniert auch am Körper.
Auf das Muster achten: Muster zählen optisch wie zusätzliche Farben. Ein gestreiftes Kissen in zwei Tönen bringt beide Töne ins Bild und kann eine der drei Farben ersetzen, aber nicht alle drei gleichzeitig. Wer drei gemusterte Kissen kombiniert, hat faktisch sechs oder sieben Farben auf dem Sofa. Die sichere Variante: ein gemustertes Kissen, zwei einfarbige. Die Muster sollten unterschiedlich groß sein, damit sie sich nicht gegenseitig stören.
Ein weiterer typischer Fehler ist die falsche Stoffbreite. Als Faustregel gilt: Die Gardine sollte das Eineinhalbfache bis Doppelte der Schienenlänge messen. Bei einer Ecke zählt nicht die Summe der beiden geraden Stangen, sondern die tatsächlich durchlaufene Strecke einschließlich des Bogens. Messen Sie mit einem flexiblen Band entlang der Schiene, nicht entlang der Wand. Wer hier zu knapp kalkuliert, bekommt an der Ecke einen straffen Zug, der den Stoff nach oben zieht.
Der erste und häufigste Fehler ist die falsche Wahl des Eckverbinders. Starre Winkel geben dem Stoff keinen Raum zum Ausweichen. An der Innenseite der Ecke entsteht sofort eine Stauchfalte, an der Außenseite zieht der Stoff in einer Spitze nach oben. Verwenden Sie einen beweglichen Eckverbinder oder ein Kurvensegment mit Gleitstück, damit die Ringe oder Läufer die Richtungsänderung ohne Verkanten mitmachen können. Prüfen Sie vor der Montage, ob der Verbinder die gleiche Führungsnut hat wie die geraden Stangen. Schon eine Abweichung von wenigen Millimetern führt dazu, dass die Ringe an der Ecke hängen bleiben.
Zunächst muss man verstehen, wie klein ein Motiv wirklich ist. Ein Blümchen von eineinhalb Zentimetern Durchmesser wirkt auf einem Probestück von zwanzig auf zwanzig Zentimetern noch freundlich. Auf einem Rock oder einer Bluse verteilt es sich über die gesamte Fläche und bildet ein dichtes Raster. Dieses Raster nimmt das Auge nicht als einzelne Blumen wahr, sondern als Textur. Sobald eine Textur entsteht, verschwinden die Details, und die Fläche wirkt entweder wie ein Schleier oder wie ein grober Punktraster. Genau hier liegt die häufigste Enttäuschung.