Eine rußende Kerze ist kein Zeichen schlechter Qualität, sondern fast immer ein Hinweis auf ein physikalisches Problem: Die Flamme bekommt nicht genug Sauerstoff oder das Wachs wird nicht vollständig verbrannt. Wer die Ursache kennt, kann mit wenigen Handgriffen Abhilfe schaffen. Ruß entsteht, wenn unverbrannte Kohlenstoffpartikel aus der Flamme entweichen und sich an der Kerze, dem Halter oder der Wand absetzen. Das lässt sich vermeiden.
Grundsätzlich gilt: Sauberes, sortenreines Wachs lässt sich fast vollständig aufschmelzen und erneut verwenden. Problematisch wird es erst, wenn sich verschiedene Wachstypen vermischen oder Fremdstoffe hineingeraten. Ein Rest Wachs aus einem Guss mit hohem Paraffinanteil verhält sich anders als ein Rest aus einem Mikrowachs für den Feinguss. Beide zusammen ergeben eine Mischung mit unvorhersehbarem Schrumpfverhalten, die beim nächsten Guss zu Maßabweichungen führt. Deshalb sollte Restwachs immer nach Sorte getrennt gesammelt werden.
Die häufigste Ursache ist Zugluft. Schon ein leichter Luftzug von einem offenen Fenster, einer Tür oder einer Klimaanlage drückt die Flamme zur Seite und führt dazu, dass Wachs nicht vollständig verbrennt. Stellen Sie die Kerze an einen geschützten Ort, testen Sie mit einer Hand oder einem Streichholz, ob die Flamme ruhig steht. Auch ein Ventilator oder eine Heizung in der Nähe kann stören. Wenn die Flamme flackert oder zur Seite geneigt ist, ist Zugluft im Spiel. Abhilfe: Kerze umstellen oder Zugluftquelle abstellen.
Ein häufiger Fehler ist das Erhitzen des gesamten Gefäßes. Wärme senkt zwar die Viskosität, doch zu schnelles Erwärmen treibt gelöste Gase aus und erzeugt mehr Blasen als vorher. Besser ist es, das Gefäß in ein warmes Wasserbad zu stellen und die Temperatur langsam auf höchstens handwarm zu steigern. Wer direkt über einer Flamme erhitzt, riskiert Spannungsrisse im Glas und eine unkontrollierte Blasenbildung.
Ein häufiger Fehler ist das Nachgießen zu früh. Wachs zieht sich beim Erstarren zusammen, deshalb sinkt der Spiegel. Wer sofort nachfüllt, bekommt Schichten und Spannungsrisse. Besser ist es, die Kerze einige Stunden stehen zu lassen und erst dann die Mulde mit restlichem Wachs aufzufüllen. Ebenfalls problematisch: zu dicke Dochte. Ein zu starker Docht erzeugt eine große Flamme, das Wachs verbrennt zu schnell und die Kerze tropft. Als Faustregel gilt, dass der Docht etwa ein Drittel des Gefäßdurchmessers nicht überschreiten sollte.
Ein weiterer Fehler ist das Anzünden in einem zu kleinen Gefäß. Kerzen brauchen einen gewissen Abstand zu den Wänden des Halters, damit die Hitze abziehen kann. Steht die Kerze zu eng, staut sich die Wärme, der Docht verbrennt ungleichmäßig und es bildet sich Ruß. Verwenden Sie einen Halter, der mindestens zwei Zentimeter Abstand zur Kerzenwand bietet. Bei Stumpenkerzen auf einem Teller kann ein kleiner Untersetzer aus Metall helfen, die Wärme abzuleiten.
Auch das Wachs selbst spielt eine Rolle. Paraffinwachs rußt schneller als Bienenwachs oder Sojawachs, besonders wenn es mit Duftstoffen oder Farben versetzt ist. Diese Zusätze können die Verbrennung stören. Achten Sie auf Kerzen mit Baumwolldocht statt Drahtdocht, denn Drahtdochte neigen eher zum Rußen. Wenn Sie eine Kerze mit ungewöhnlich hohem Duftanteil haben, stellen Sie sie in einen Windschutz oder verwenden Sie einen Kerzenhalter mit enger Öffnung, der die Luftströmung beruhigt.
Ein letzter Tipp: Teste jedes Öl vor dem großflächigen Einsatz. Verdünne ätherische Öle immer mit einem Trägeröl, bevor sie auf die Haut kommen. Parfümöle können Allergien auslösen, auch wenn sie „nur” synthetisch sind. Prüfe die Verträglichkeit an einer kleinen Hautstelle und warte 24 Stunden. So vermeidest du unangenehme Überraschungen und triffst eine fundierte Wahl zwischen Naturduft und Duftkomposition.
Schließlich kann auch die Umgebungstemperatur eine Rolle spielen. In sehr kalten Räumen brennt die Kerze unruhig, weil das Wachs nicht gleichmäßig schmilzt. Lassen Sie die Kerze vor dem Anzünden einige Minuten bei Raumtemperatur stehen. Wenn die Flamme trotz aller Maßnahmen rußt, entfernen Sie den Ruß vorsichtig mit einem Papiertuch, sobald die Kerze abgekühlt ist. Prüfen Sie dann erneut Dochtlänge und Standort. Mit diesen einfachen Schritten lässt sich fast jede rußende Kerze wieder zu einer sauberen Flamme bringen.
Beim Abkühlen zieht sich das Wachs zusammen. Ein Docht, der gerade steht, wird gleichmäßig von allen Seiten umschlossen. Ein schief sitzender Docht hat auf einer Seite mehr Wachs, auf der anderen weniger. Die dickere Wachsschicht kühlt langsamer ab und schrumpft später. Dieser zeitliche Versatz erzeugt eine Scherbewegung im noch weichen Material. Der Docht wird nicht festgehalten, sondern mitgezogen, bis das Wachs endgültig hart ist. Was man also nach dem Aushärten als „gewanderten” Docht sieht, war bereits während der Abkühlphase in Bewegung.