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Wer falsch auslichtet, verliert die halbe Ernte

Beim Wiederaufsetzen darauf achten, dass die Krone plan und ohne Verkanten aufliegt. Manche Modelle haben eine Markierung oder einen Anschlag – diese unbedingt nutzen, statt nach Gefühl zu drehen. Anschließend die Justierschraube nur in kleinen Vierteldrehungen verstellen. Nach jeder Änderung kurz aufschwingen lassen und beobachten, ob der Zeiger in die Mitte zurückkehrt. Große Sprünge machen alles nur schlimmer, weil sich die Mechanik nicht sofort anpasst.

Am Ende kontrolliert man die Krone vom Boden aus: Fällt Licht durch die Mitte, sitzt der Schnitt richtig. Bleibt der Innenraum dunkel, ist weiteres Auslichten nötig – aber frühestens im nächsten Winter. Ein falsch geschnittener Baum treibt zwar wieder aus, doch jede Korrektur kostet Zeit und Fruchtansatz.

Ein Apfelbaum braucht Licht, sonst bleibt die Krone innen kahl, und die Früchte reifen nur noch außen. Auslichten heißt nicht, wahllos Äste abzusägen, sondern das Holz zu entfernen, das Schatten wirft, krank ist oder andere Triebe bedrängt. Wer das im Winter oder zeitigen Frühjahr macht, solange der Baum ruht, verletzt ihn am wenigsten. Wichtig ist ein trockener, frostfreier Tag, sonst dringen Pilze in die Schnittwunden ein.

Zum Schärfen brauchst du eine flache Feile oder einen Schärfstein, ein Tuch, etwas Öl und – je nach Bauart – einen passenden Inbusschlüssel oder Schraubendreher zum Zerlegen. Bei Bypass-Scheren lässt sich die Klinge meist mit einer Schraube abnehmen, bei Amboss-Scheren bleibt der Amboss fest und nur die Schneide wird bearbeitet. Zerlege die Schere vor dem Schleifen, damit du die Klinge frei führen kannst. Reinige vorher Harz und Pflanzensaft mit einem Tuch und etwas Öl; Harz setzt die Feile sofort zu und verhindert ein gleichmäßiges Ergebnis.

Nach dem Schnitt ist keine Wundbehandlung nötig. Baumharz, Wachs oder Pasten schaden mehr, als sie nützen, weil sie Feuchtigkeit einschließen und die natürliche Abschottung verzögern. Der Baum bildet selbst einen Wall aus Kallusgewebe, der die Wunde überzieht. Das dauert je nach Art und Wüchsigkeit ein bis drei Jahre. Wichtig ist, den Schnitt bei trockener Witterung auszuführen, nicht bei Frost und nicht in der Saftzeit des Frühjahrs, wenn die Rinde leicht abreißt.

Nach dem Schärfen entfernen Sie den Grat auf der Rückseite. Ziehen Sie die Klinge flach über einen Abziehstein oder ein Stück Leder. Der Grat ist eine hauchdünne Metallkante, die sich beim Schneiden umlegt und den Schnitt unsauber macht. Ein paar vorsichtige Züge genügen. Anschließend ölen Sie die Klinge mit einem Tropfen harzfreiem Öl, damit sie nicht rostet. Verwenden Sie kein WD-40 oder ähnliche Kriechöle, die verharzen und Staub binden.

Daraus folgt die eigentliche Regel: Die Zahnung der Säge muss auf den Zustand des Holzes abgestimmt sein. Für frisches, saftiges Holz genügt eine grobe Zahnung mit weiten Spanräumen, weil die Späne leicht abgeführt werden. Totholz verlangt eine feinere, aber scharf geschliffene Zahnung. Die Zähne müssen mit ihrer Schneidkante das Holz durchtrennen, nicht mit der Spitze ausbrechen. Ein stumpfes Sägeblatt erhitzt sich, verläuft in der Schnittfuge und reißt die Randfasern auf. Wer hier mit Gewalt nachhilft, verbiegt das Blatt und erzeugt einen Schnitt, der später nicht mehr zu glätten ist. Der Anwender merkt das an drei Zeichen: Der Schnitt knistert statt zu sirren, das Blatt wird warm, und der Sägeschnitt wandert seitlich aus der Linie.

Beim Sägen gilt: erst auf der Unterseite anritzen, dann von oben durchsägen, damit die Rinde nicht einreißt. Größere Wunden über drei Zentimeter glatt nachschneiden und mit einem Wundverschluss behandeln. Stehen mehrere starke Äste zur Debatte, verteilt man die Eingriffe über zwei bis drei Jahre. So bleibt genügend Laub für die Photosynthese und der Baum erholt sich zwischen den Schnitten.

Was zuerst fällt und was stehen bleibt Als Nächstes kommen alle toten, abgestorbenen und kranken Äste weg. Ein abgestorbener Trieb lässt sich leicht biegen und bricht beim Anritzen trocken; kranke Triebe zeigen eingesunkene Rinde oder violette Verfärbungen. Solche Äste schneidet man bis ins gesunde, hellgrüne Holz zurück. Danach lichtet man die Krone gleichmäßig aus, nicht nur auf einer Seite, sonst kippt die Form und der Baum bildet einseitig neue Triebe.

Zuerst weichen alle Triebe, die nach innen wachsen. Diese sogenannten Wasserreiser stehen steil nach oben, treiben kaum Blüten und verdunkeln das Kroneninnere. Man erkennt sie daran, dass sie fast senkrecht aus einem stärkeren Ast schießen und wenig Seitenverzweigung zeigen. Schneide sie direkt am Ansatz ab, ohne einen Stummel zu lassen. Ebenso entfernt man Äste, die sich kreuzen oder aneinander reiben, denn jede Wunde ist eine Eintrittspforte für den Obstbaumkrebs.

Was bleibt, sind kräftige, flach abgehende Leitäste, die gleichmäßig um den Stamm verteilt sind. Auch kurze Fruchttriebe, die schon Blütenknospen tragen, dürfen stehen. Ein gesunder Apfelbaum trägt seine Früchte bevorzugt an zwei- bis dreijährigem Holz. Wer diese Triebe großzügig entfernt, nimmt sich selbst die Ernte des nächsten Jahres. Ein typischer Fehler ist der radikale Rückschnitt auf einmal: Wird zu viel Holz genommen, reagiert der Baum mit starkem Neuaustrieb und schattiert sich binnen zwei Jahren erneut aus.

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