Der Begriff der Krone ist hier metaphorisch zu verstehen: Gemeint ist die Balancierung des Systems, also das Zusammenspiel von Nullpunkt, Linearität und Reproduzierbarkeit. Eine Waage kann bei null korrekt anzeigen und trotzdem bei mittlerer Last abweichen. Deshalb prüft man mit mehreren Gewichten: eines nahe null, eines im mittleren Bereich, eines nahe der Kapazitätsgrenze. Weicht nur der obere Bereich ab, ist die Feder ermüdet oder der Sensor überlastet. Weicht der mittlere Bereich ab, stimmt die Linearität nicht – hier hilft nur eine Neukalibrierung durch den Hersteller oder eine Ersatzwaage.
Ein letzter Punkt: Die Schnittführung. Setzen Sie die Säge knapp am Astkragen an, ohne diesen zu verletzen. Ein zu großer Stummel fault, ein zu tiefer Schnitt schadet dem Baum. Nach dem Schnitt sollten Sie keine Wundverschlussmittel auftragen – sie behindern die natürliche Heilung. Bei starkem Befall mit Scharka oder anderen Krankheiten desinfizieren Sie das Werkzeug zwischen den Schnitten, um eine Übertragung zu vermeiden. Wer diese Regeln beachtet, wird im nächsten Jahr sowohl eine gute Ernte als auch einen gesunden, lichtdurchfluteten Baum haben.
Nach dem Austrieb der ersten Blätter lässt der Blutfuss in der Regel von selbst nach. Die Pflanze reguliert sich, sobald sie Wasser über die Blätter verdunsten kann. Ein gesunder Rebstock steckt das problemlos weg. Erst wenn zusätzlich Welke, Flecken oder Wachstumsstillstand auftreten, sollte man an eine Pilz- oder Bakterieninfektion denken und die betroffenen Triebe entfernen. In den meisten Fällen bleibt das Bluten also ein harmloses Schauspiel, das man gelassen beobachten kann.
Ein gut ausgelichteter Pflaumen- oder Zwetschgenbaum zeigt im Folgejahr Blüten und Früchte vor allem im Inneren und an den unteren Astpartien. Wer nach dem Schnitt viele lange, senkrechte Triebe sieht, hat zu stark eingegriffen. Dann hilft es, im Sommer diese Schosse auf wenige Zentimeter zurückzunehmen, statt im Winter erneut radikal zu schneiden. Auslichten ist damit kein einmaliger Eingriff, sondern eine jährliche, maßvolle Arbeit, die den Ertrag sichert statt ihn zu opfern.
Wann das Bluten harmlos bleibt und wann nicht Harmlos ist es, solange der Saft klar ist, nicht fault und die Wunde nicht großflächig aufreißt. Ein leichter Austritt an dünnen Trieben oder frischen Schnitten schadet dem Rebstock nicht. Kritisch wird es, wenn der austretende Saft trüb, schleimig oder übelriechend ist. Dann können Bakterien oder Pilze in die Wunde eingedrungen sein. Ebenso problematisch: Wenn das Bluten nach dem Austrieb der Knospen noch massiv anhält, verliert die Rebe unnötig Energie und Nährstoffe. In solchen Fällen sollte man die Pflanze genauer kontrollieren.
Der Druck entsteht, weil der Boden sich erwärmt und die Wurzeln aktiver werden. Gleichzeitig sind die Leitungsbahnen im Holz durch die Kälte noch nicht vollständig durchgängig. Die Folge: An jeder Schnittstelle bildet sich ein Tropfen, der irgendwann abfällt. Bei starkem Wurzeldruck kann das über Tage oder sogar Wochen anhalten. Wichtig zu wissen: Das Bluten ist kein Zeichen von Krankheit, sondern ein normaler physiologischer Vorgang.
So wird auf wenige Augen zurückgeschnitt
Kaum sind die ersten warmen Tage im späten Winter oder zeitigen Frühjahr da, tropft es aus frischen Schnittwunden am Rebstock. Der austretende Saft ist dünn und klar bis leicht trüb, oft etwas klebrig. Dieses Phänomen heißt Bluten oder Tränen der Rebe. Es tritt auf, wenn der Wurzelfdruck nach dem Winter wieder steigt und Wasser samt gelösten Nährstoffen nach oben drückt. Da die Pflanze noch kein Laub hat, das Wasser verdunsten könnte, sucht sich die Flüssigkeit den Weg über offene Wunden.
Typische Fehler sind zu tiefe oder ausgefranste Schnitte, die die Wunde vergrößern, sowie das Abreißen statt Abschneiden von Trieben. Auch das Verschließen der Wunde mit Wachs oder Farbe bringt meist nichts – der Druck sucht sich einen anderen Weg. Besser ist es, die Rebe einfach bluten zu lassen und für gute Bodenverhältnisse zu sorgen. Staunässe verstärkt den Druck, gut drainierter Boden reduziert ihn. Wer unsicher ist, sollte den Saft beobachten: Klar und dünn bedeutet Entwarnung, trüb und zäh bedeutet Handlungsbedarf.
Unterhalb der ersten Gerüststämme liegt die Saftwaage. Das ist die Zone am Stamm, aus der keine starken Triebe mehr kommen sollen. Bleibt sie sauber, kann die Kraft nach oben in die Krone fließen. Treibt der Stamm dort immer wieder aus, entstehen Schosser, die den Leittrieb konkurrenzieren und die Krone unten auslichten. Solche Austriebe entfernt man früh, solange sie noch krautig sind. Ein häufiger Fehler ist, sie mit der Schere glatt abzuschneiden — dadurch entstehen schlafende Augen, die im nächsten Jahr erneut austreiben. Besser ist es, sie im Juni mit dem Daumen auszubrechen.
Wer das Bluten begrenzen will, kann den Schnittzeitpunkt anpassen. Solange die Rebe noch vollständig in Winterruhe ist und keine starken Fröste drohen, sind Schnitte unproblematisch. Wer erst kurz vor dem Austrieb schneidet, riskiert stärkeres Bluten. Das ist jedoch selten ein Grund zur Sorge. Ein bewährter Trick: Schneiden Sie nicht bei Sonnenschein und milden Temperaturen, sondern an einem kühleren, bedeckten Tag. Dann startet der Wurzeldruck langsamer.