5 Gründe, warum Dochtkrater einen zweiten Guss verlangen

Beim Aushärten durchläuft das Material eine Volumenänderung. Wachs zieht sich beim Erstarren zusammen, Gel verhält sich je nach Zusammensetzung ähnlich. Diese Schrumpfung wirkt gleichmäßig von allen Seiten auf den Docht. Ein Docht, der bereits schief steht, wird dadurch nicht aufgerichtet, sondern eher noch stärker in seine Schräglage gedrückt. Hinzu kommt, dass sich an der Oberfläche eine Mulde bildet, die den Docht optisch noch weiter aus der Mitte rückt. Wer jetzt versucht, den Docht mit einer Pinzette zu richten, bricht entweder das erstarrte Material oder beschädigt die Dochtstruktur.

Warum Nachgießen allein nicht reicht Viele versuchen, die Mulde einfach mit einem Tropfen Wachs zu füllen. Das hält selten. Frisches Wachs auf bereits erstarrter Oberfläche verbindet sich nur an der Grenzfläche, nicht im Volumen. Beim Abbrennen entsteht dort eine Naht, die aufreißt. Ein zweiter Guss funktioniert nur, wenn die erste Schicht noch warm ist oder die Oberfläche vorher angeraut und leicht erwärmt wird. Sonst sitzt die Füllung wie ein Pfropfen und fällt beim ersten Abbrand heraus.

Nach dem Gießen darf die Oberfläche nicht mehr berührt werden. Auch ein leichter Luftzug kann die noch flüssige Haut verziehen. Decken Sie die Form mit einer sauberen Kunststofffolie ab, aber ohne sie zu berühren. Die Folie verhindert Staubeinschlüsse und hält die Oberfläche feucht. Nach etwa 20 bis 30 Minuten ist die Mischung so weit angeliert, dass sie nicht mehr verläuft. Erst dann können Sie vorsichtig eventuelle Blasen mit einem heißen Fön entfernen. Direkt nach dem Gießen würden Sie damit nur den Wirbel zerstören.

Wachsfarben richtig einrühren Wachsfarben, auch Farbflocken oder Farbwachse genannt, sind bereits mit Wachs gebunden und lassen sich leichter dosieren. Sie werden zusammen mit dem Wachs geschmolzen und verteilen sich fast von allein. Üblich sind zwei bis zehn Gramm pro Kilogramm Wachs, je nach gewünschter Tiefe. Der Vorteil: Die Farbe ist gleichmäßig gebunden, es entstehen keine Schlieren. Der Nachteil: Bei zu hoher Zugabe sinkt der Schmelzpunkt der Kerze, sie wird weicher und kann im Sommer ihre Form verlieren. Wer eine Kerze für den Außenbereich gießt, bleibt besser bei der unteren Grenze.

Die richtige Viskosität und Gießtechnik Beide Farbtöne müssen die gleiche Viskosität haben. Unterschiedliche Konsistenzen führen dazu, dass eine Farbe absinkt oder aufschwimmt. Verdünnen Sie beide Ansätze mit der gleichen Menge Wasser oder Lösungsmittel, gemessen mit einem Messbecher, nicht nach Gefühl. Gießen Sie die erste Farbe in einem dünnen Strahl in die Form, dann die zweite Farbe direkt daneben, nicht darüber. Der Wirbel entsteht durch die Bewegung beim Eingießen, nicht durch späteres Rühren. Halten Sie die Gießkanne etwa eine Handbreit über der Oberfläche und bewegen Sie sie langsam in einer S-Kurve. So verbinden sich die Farben von selbst, ohne zu verschwimmen.

Für den zweiten Guss die Oberfläche mit einem sauberen Tuch abwischen, Wachsreste entfernen und mit einem Heißluftföhn kurz anwärmen, bis sie glänzt. Dann in dünnen Schichten nachgießen, jeweils nur wenige Millimeter, und zwischen den Schichten abkühlen lassen. Zu viel auf einmal erzeugt neue Einfallstellen, weil die Wärmemenge wieder den Docht entlang abfließt. Wer in einem Zug auffüllt, tauscht eine Mulde gegen eine andere.

Wer die Einfallstelle von Anfang an einplant, spart sich Ärger. Also nicht bis zum Rand gießen, den Docht fixieren, kühl und langsam erstarren lassen und die Mulde gezielt in einem zweiten Durchgang schließen. Das kostet einen Arbeitsschritt, verhindert aber Ausschuss und sorgt für eine Kerze, die gleichmäßig und rußarm abbrennt.

Die Dosierung lässt sich nicht pauschal festlegen, weil Wachsart, Farbtyp und Kerzendurchmesser zusammenspielen. Eine dünne Stabkerze wirkt mit weniger Pigment kräftig, eine dicke Säulenkerze wirkt mit derselben Menge blass. Deshalb gilt: immer eine kleine Probekerze gießen, aushärten lassen und bei Tageslicht beurteilen. Wer diese Probe überspringt, gießt im schlimmsten Fall eine ganze Charge in einem Ton, der später nicht mehr korrigiert werden kann. Nachjustieren ist nur möglich, solange das Wachs flüssig ist – danach hilft nur noch Einschmelzen.

Beim Gießen marmorierter Oberflächen mit zwei Farbtönen entscheidet nicht die Menge der Farbe, sondern die Kontrolle über den Wirbel. Wer einfach beide Komponenten zusammenkippt und verrührt, erhält meist eine trübe Mischung ohne klare Adern. Das Ziel ist ein Muster, das wie natürlicher Stein wirkt: scharfe Grenzen, weiche Übergänge, keine Schlieren. Der häufigste Fehler ist zu frühes oder zu heftiges Rühren. Wer die Mischung nach dem Eingießen noch mit dem Stab umrührt, zerstört die Struktur. Besser ist es, die Farben in zwei getrennten Gefäßen anzurühren, dann gleichzeitig in die Form zu gießen und nur einmal kurz mit einem dünnen Draht oder einem Zahnstocher durchzuziehen.